Admiral Yi Sun-sin, ein Mythos in der geistigen Welt der Koreaner

     
 

Es gibt zwei Persönlichkeiten in Korea, die für Korea repräsentativ sind und die von allen Koreanern am meisten geachtet werden; König Sejong der Große (1418-1450), der die Entwicklung des koreanischen Alphabets "Hangeul" ermöglichte und Admiral Yi Sun-sin, der die Angriffe der Japaner stets erfolgreich abwehrte.

König Sejong war ein außergewöhnlicher Herrscher Anfang der Joseon Zeit, der die Entwicklung und Verbreitung der Wissenschaften, Literatur, Musik, Landesverteidigung u.a.. Die Entwicklung des koreanischen Alphabets war sein Ausdruck der Liebe zum Volk.
Yi Sun-sin war der beste Admiral Mitte der Joseon-Zeit, der im Kampf gegen Japaner starb.
Wenn König Sejong der Große sich zu Friedenszeiten Koreas für die Entwicklung des Landes bemüht hatte, so gab Admiral Yi Sun-sin in einer Krisenzeit für die Rettung des Landes sein Leben. Von den beiden Persönlichkeiten, die in den Herzen der Koreaner weiterleben, soll hier kurz von Yi Sun-sin erzählt werden. Yi Sun-sin wird am 26. April, an seinem Geburtstag, von allen Koreanern gefeiert. Wer war er und welchen Einfluss hat er auf die geistige Welt der Koreaner ausgeübt und übt er noch heute aus?
   

Umriss seiner Kindheit

    Der später brillante Admiral Yi Sun-sin (1545-1598) wurde am 28. April 1545 im jetzigen Seoul während der Joseon Zeit (1392-1910) geboren. Seine Kindheit war geprägt von der strengen und zugleich aufmerksamen Mutter. Yu Seong-ryong, ein zeitgenössischer Zivilbeamte und Wissenschaftler, schrieb in einem seiner Bücher wie folgt über ihn: "Sun-sin mochte, schon als er klein war, aus Holz Pfeile zu machen und Kriegsspiele zu spielen. Er liebte Bogenschießen und Pferdereiten. Aber die Kunst des Schreibens beherrschte er ebenfalls gut."
   

Japans Invasion, Siege auf See

  Am 14. April 1592, als Yi Sun-sin 47 Jahre alt war, drangen japanische Soldaten in Joseon ein und der Japanische Krieg (Imjin Waeran) begann. Der erste Streit auf See fand in Okpo statt. Yi Sun-sin wehrte die japanischen Streitkräfte mit einem Überraschungsmanöver ab und zerstörte 26 Schiffen (7. Mai 1592).

Es folgten noch weitere Kämpfe, die durch die Zerstörung der japanischen Führungsflotte zum Sieg für Korea entschieden wurden. Die japanischen Streitkräfte fürchteten sich vor allem vor den besonderen "Cheolgap Geobukseon" (ein Schlachtschiff mit einer gepanzerten Schutzdecke). Mit Hilfe dieses Schlachtschiffes und mit einem brillanten Seemanöver, welches sich durch eine in der Form von Kranichflügeln aufgestellte Flotte auszeichnete, errang Admiral Yi einen großen Sieg über die japanischen Streitkräfte (6. Juli 1592).

     
 

Unterdessen schmiedete Won Gyun (1540-1597), ebenfalls ein Admiral, eine Intrige gegen Admiral Yi, auf grund der Admiral Yi in Haft genommen wurde. Doch als Won Gyun die Angriffe der japanischen Streitkräfte auf See nicht abwehren konnte, beorderte man Admiral Yi wieder zum Kriegsplatz. Er erhielt jedoch keinen offiziellen Titel mehr. Er stellte die übrig gebliebenen 120 Soldaten und die 12 Schiffe zusammen und begegnete mit diesen der aus 133 Schiffen bestehenden feindlichen Flotte auf See vor Myeongryang. Er nutzte die natürliche Gegebenheit dieser Gegend zu seinen Gunsten, in dem er die japanische Flotte zu der Stelle lockte, an der eine sehr starke Strömung herrschte. Somit errang er erneut einen Sieg über die japanischen Streitkräfte und zerstörte 31 von den 133 feindlichen Schiffen (15. August 1593).

Sein Kampf in Noryang sollte wohl sein letzter sein. Er verfolgte die 500 feindlichen Schiffe, die im Begriff waren sich zurückzuziehen, als er von einem Schuss der Feinde getroffen wurde. Er war bis zu seinem letzten Atemzug um das Wohl des Vaterlandes besorgt und sagte: "Der Kampf ist in vollem Gange. Verkünde auf keinen Fall, dass ich gestorben bin". Mit diesen Worten schloss er seine Augen. Die Soldaten wußten nicht, dass er gestorben war und kämpften mit allen Kräften gegen die feindliche Flotte. Die feindlichen Streitkräfte erlitten einen großen Verlust. Später sagte man: "Der gestorbene Admiral Yi Sun-sin hat die lebenden feindlichen Soldaten besiegt" (19. November 1598).

     
   

Geobukseon (ein gepanzertes Schiff im Form einer Schildkröte)

  Das "Cheolgap Geobukseon" ermöglichte die erfolgreiche Abwehr gegen den japanischen Angriff. Dieses weltweit als Stahlplatten-Schlachtschiff bewährte "Geobukseon" vom Admiral Yi Sun-sin brachte als Führungsschiffe der koreanischen Flotte noch mehrere Siege auf See. Der vordere Teil des Geobukseon hatte die Form eines Drachenkopfes und der hintere Teil die Form eines Schildkrötenschwanzes. Aus beiden Teilen konnte mit Kanonen oder Gewehren geschossen werden. Auf dem Rücken waren Stahlspitzen angebracht, so dass keine feindlichen Soldaten auf das Schiff kommen konnten. An der Seite des Schiffes befanden sich zu beiden Seiten jeweils 6 Löcher für Kanonen- oder Gewehrschüsse. Auch im Falle einer Umzingelung durch eine feindliche Flotte ermöglichte diese Konstruktion eine erfolgreiche Abwehr, da sich die Soldaten von einer Seite zu anderen Seite hin und her bewegen konnten. Außerdem konnte Geobukseon den Feuerangriffen der Feinde standhalten.
     
   

Meinungen zu Admiral Yi Sun-sin

  Ein Protokollführer am Hof der nächsten Generation schrieb: "Er gab für sein Vaterland und für die Gerechtigkeit sein Leben. Es gibt keinen vor ihm der so beispielhaft war." Der Admiral G.A. Ballad, ein Analyst der Strategie des Seekampfes aus England bewertete ihn mit diesen Worten: "Es fällt mir sehr schwer zuzugeben, dass es einen gibt, der sich mit dem englischen Admiral Nelson messen kann. Aber wenn es einen gibt, dann ist es dieser berühmte Admiral aus Asien, der keine einzige Niederlage im Kampf erlitten hat und im Kampf gestorben ist."
     
   

Mythos in der geistigen Welt der Koreaner

  Es gibt keinen Koreaner, der die Aufzeichnung "Nanjungilgi", die Admiral Yi während der Kriegszeit aus Besorgnis über das Land verfasste, nicht kennt. Viele Schriftsteller und Künstler haben sein Leben dokumentiert und verfilmt und auch Theaterstücke wurden geschrieben. Kinder lernen ihn als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der koreanischen Geschichte neben König Sejong dem Großen kennen, der das koreanischen Alphabet entwickelt hat. Was ist die treibende Kraft, die den Koreanern trotz mehreren hunderten Angriffen der Japaner, dem Koreakrieg, der Finanzkrise und der politischen Unruhe ermöglicht, auf der Weltbühne stolz vorwärts zu schreiten? Der Mut von Admiral Yi, der ihn ohne Furcht für das Vaterland seine Pflicht tun und sein Leben opfern ließ, wird wohl eine der größten Kraft sein. Trotz der Intrigen, die ihn zu stürzen versucht hatte, beugte er sich diesen nicht und zeigte sich als ein Mann des Verstandes und Großmutes. Vor diesem Großmut und Verstand senken alle Koreaner ihr Haupt als ein Zeichen der Ehrerbietung. Sein brillanter Verstand und sein Mut, der das Unmögliche möglich machte, stärkte und stärkt immer wieder die Koreaner in Krisenzeiten. Auch heute wird noch die geistige Welt der Koreaner vom Admiral Yi geprägt und seine Geschichte nimmt als ein von allen Koreanern verehrter Mythos wieder an Bedeutung zu.